Security Token, digitale Wertpapiere, blockchainbasierte Finanzprodukte – wer sich mit digitalen Investitionen beschäftigt, hört über kurz oder lang viele verschiedene Schlagworte. Klar definiert werden sie selten. Im Gegenteil: Die Verwendung unterschiedlicher Begriffe zur Beschreibung identischer Formen digitaler Investitionen und eine unklare Abgrenzung zwischen verschiedenen Varianten scheinen eher zu zusätzlicher Verwirrung beizutragen. Wir möchten heute Klarheit schaffen und Ihnen die aktuell wichtigsten Varianten aus dem Bereich digitalisierter Finanzprodukte vorstellen.

Beginnen wir mit den Grundlagen der Token. Token sind Informationseinheiten auf einer Blockchain, die einem Besitzer zugeordnet werden können und zwischen Nutzern transferierbar sind. Sie basieren auf Smart Contracts, sogenannten selbstausführenden Verträgen. Technisch gesehen sind Smart Contracts Protokolle, die eine vertragliche Regelung digital abbilden. Selbstausführend sind diese digitalen Verträge insofern, als dass sie bei Eintreten eines definierten Ereignisses automatisch ein anderes Ereignis auslösen können. Wenn beispielsweise ein vertraglich vereinbarter Zeitraum von zwei Jahren abgelaufen ist (Ereignis A), dann kann automatisch eine Zahlung an den Tokeninhaber ausgelöst werden (Ereignis B). Der Smart Contract eines Tokens kann individuell gestaltet werden und definiert die Rechte, die der Besitzer dieses Token erhält. Auf diese Weise kann alles, was vertraglich abgebildet werden kann und damit jeder Wert in Form eines Tokens digitalisiert werden. Diesen Prozess, also die digitalisierte Abbildung eines Wertes inklusive aller in diesem Wert enthaltenen Rechte und Pflichten in einem Token, bezeichnet man als Tokenisierung.

 

smart-contract_unitedcrowd

 

Tokenisierbar ist dabei fast alles. Die Bandbreite reicht von Darlehen über Aktien, Nutzungsrechte, Gutscheine bis hin zu Immobilien, Edelmetallen oder Versicherungen. Denn in all diesen Fällen liegt dem Besitz, dem Transfer oder Nutzung stets ein Vertrag zugrunde, der als Smart Contract einen Token definieren kann. Abhängig davon was tokenisiert wird, resultieren hierbei jedoch verschiedene Arten von Token. Die Unterscheidung dieser Arten richtet sich dabei nach den Rechten, die ein Token seinem Besitzer gewährt und ist relevant für die rechtliche Einordnung des Tokens. Die wichtigsten Arten werden als Utility-Token und Security-Token bezeichnet.

 

alles-ist-tokenisierbar_unitedcrowd

 

Utility-Token

Utility-Token gewähren ihrem Besitzer Nutzungsrechte. Sie berechtigen den Inhaber eines Tokens dazu, eine bestimmte Dienstleistung in Anspruch zu nehmen oder ein bestimmtes Produkt zu nutzen. So kann der Smart Contract eines Utility-Token beispielsweise so gestaltet sein, dass der Inhaber dieses Token Zugriff auf eine Online-Plattform erhält oder den Token in einem Online-Spiel gegen bestimmte Gadgets eintauschen kann. Werden Utility-Token von einem Unternehmen herausgegeben und verkauft, so kann sich hiermit eine Community bilden – die Community der Tokenbesitzer, die das Recht haben etwa das Produkt des Unternehmens zu nutzen. Aus rechtlicher Perspektive ist es wichtig, dass Utility-Token keinen monetären Anreiz zum Besitz des Tokens gewähren. Es dürfen also beispielsweise keine Dividenden an die Tokenbesitzer gezahlt werden, oder der Kaufpreis des Tokens zurückerstattet werden. Auch repräsentieren Utility-Token keine Eigentumsrechte. Es handelt sich bei Utility-Token daher auch weder um ein Wertpapier im Sinne des WpPG, noch um eine Vermögensanlage im Sinne des VermAnlG.

Security-Token

Security-Token können unterschiedliche Anlageklassen digital darstellen und damit einen genauso greifbaren Wert haben wie beispielsweise Aktien eines Unternehmens oder eine Immobilie. Bevor wir nun näher auf die Eigenschaften von Security Token eingehen, möchten wir an dieser Stelle zunächst eine wichtige Unterscheidung einführen: Tokenized Securities und Securitized Token. Was sich anhört wir ein Wortspiel, ist in der Tat eine wesentliche Differenzierung innerhalb der Klasse der Security-Token, die besonders für die zukünftige Entwicklung des Marktes für digitale Finanzprodukte von großer Bedeutung ist.

 

tokenized-securities-vs-securitized-token_unitedcrowd

Tokenized Securities

Tokenized Securities sind etablierte Finanzinstrumente, die durch Tokenisierung digital in einem Token abgebildet werden. Der zugrunde liegende Smart Contract gewährt dem Besitzer des Tokens Rechte an einem Wert und entspricht genau dem Vertrag, der bei den jeweiligen Finanzinstrumenten verwendet wird. Die Bandbreite der Finanzinstrumente, die in Form von Tokenized Securities digitalisiert werden, umfasst Equity-, Debt- und Asset-Produkte. Entsprechend spricht man auch von Equity-, Debt- und Asset-Token.

Equity-Token

Equity-Token zählen zu den Tokenized Securities und repräsentieren Beteiligungsrechte. Sie stellen also Rechte an Beteiligungen dar und können auch mit Stimmrechten ausgestattet sein. Equity-Token sind also ein digitales Äquivalent zu Aktien oder auch Futures. Sie gewähren dem Inhaber des Tokens dieselben Rechte, wie der Besitz einer klassischen Aktie – sind aber auf der Blockchain transferierbar und bieten weitere Vorteile, auf die wir hier später noch eingehen werden. Equity-Token können von Unternehmen beispielsweise zur Finanzierung herausgegeben werden – nach dem gleichen Prinzip, wie der Verkauf von Aktien bei einem Börsengang.

Debt-Token

Debt-Token repräsentieren Forderungsrechte. Der Besitzer eines Debt-Tokens hält also eine Fremdkapitalforderung auf Rückzahlung des für den Tokenkauf investierten Betrags mit oder ohne Zinsen. Alle Bedingungen dieser Forderung sind im Smart Contract definiert und können dabei auch so gestaltet sein, dass die Rückzahlung beispielsweise automatisch in festen monatlichen Raten erfolgt. Die Bandbreite von Debt-Token reicht von Anleihen über Darlehen bis hin zu Schuldverschreibungen. Durch die Herausgabe und den Verkauf von Debt-Token kann ein Unternehmen beispielsweise ein geplantes Projekt durch Fremdkapital in Form von Nachrangdarlehen finanzieren. Tokenkäufer erhalten durch den Kauf und den Besitz dieser Token dann das Recht, dass das Unternehmen ihnen den investierten Betrag innerhalb eines bestimmten Zeitraums zzgl. Zinsen zurückzahlt.

Asset-Token

Asset-Token sind die dritte Art von Tokenized Securities. Sie geben ihrem Besitzer Eigentumsrechte an liquiden oder auch illiquiden Werten. Der Token stellt dabei gewissermaßen die Eigentumsurkunde dar, etwa an Bargeld, Immobilien oder auch immateriellen Werten wie Patenten oder Markenrechten. Dabei kann ein Asset-Token so gestaltet werden, dass er das Eigentum an einem beliebig großen oder auch kleinen Anteil des gesamten Wertes repräsentiert. So könnte das Eigentum an einer Immobilie beispielsweise durch 1.000 einzelne Asset-Token repräsentiert werden, wobei jeder einzelne Token entsprechend das Eigentum an einem Tausendstel darstellt. Man spricht dann auch von sogenanntem Fractional Ownership, also anteiligem Eigentum. Tokenized Securities sind also nichts anderes als bereits bestehende Finanzprodukte, die digital in Form von Token auf der Blockchain abgebildet werden. Sie bieten ihren Besitzern dieselben Rechte und Pflichten wie ihre blockchain-externen Äquivalente. Wo aber liegen die Vorteile einer Digitalisierung, also Tokenisierung? Als Token können diese Finanzprodukte jederzeit und ohne Zwischeninstanzen direkt zwischen Nutzern der Blockchain transferiert werden – und das zu niedrigen Kosten. Anders als bei physischen Verträgen wird dafür kein Notar oder Bank benötigt. Als digitales Produkt erfolgt der Investitionsprozess außerdem rein digital und damit deutlichen schneller als dies auf traditionellem Weg bisher möglich war. Clearing und Settlement finden dabei stets zum selben Zeitpunkt statt, weshalb das Counterpay-Risiko entfällt. Die Transparenz der Blockchain macht es zudem möglich beliebige Cashflows darzustellen. Unternehmen können durch die Herausgabe von Token zudem einen internationalen Markt ansprechen, denn Tokenkäufe über die Blockchain sind international möglich. Die Tatsache, dass Smart Contracts so programmiert werden können, dass bestimmte Funktionen automatisiert erfolgen, kann darüber hinaus dazu genutzt werden den langfristigen Arbeitsaufwand zu senken. Die schon angesprochene Möglichkeit Werte in Form von Asset-Token in Fraktional Ownership nicht an einen, sondern an viele Investoren jeweils anteilig zu verkaufen, bietet sowohl Verkäufern, als auch Käufern neue Chancen. Käufer können so bereits mit kleineren Mindestinvestments in Bereichen investieren, für die zuvor große Summen notwendig waren, wie etwa bei Immobilien. Verkäufer haben die Möglichkeit einen insgesamt höheren Verkaufspreis zu erzielen. Mit Blick auf die Zukunft zählt sicher auch die mögliche Handelbarkeit von Token zu den Pluspunkten auf Seiten der Tokenized Securities.

Securitized Token

Das Potenzial von Blockchaintechnologie und Token ist mit Utility-Token auf der einen und Tokenized Securities auf der anderen Seite aber bei weitem nicht ausgereizt. Denn warum für Nutzungsrechte oder Finanzprodukte entscheiden, wenn die technischen Möglichkeiten beides erlauben? Wenn es möglich ist die Vorteile beider Tokenarten zu verbinden und so eine vollkommen neue Anlageklasse zu erzeugen? An dieser Stelle werfen wir einen Blick auf die neuste Entwicklung – auf Securitized Token. Securitized Token sind regulationskonforme Finanzprodukte, die ihren Besitzer aber zusätzlich Nutzungsrechte gewähren. Sie sind gewissermaßen ein Hybrid aus Tokenized Securities und Utility-Token. Ausgehend von etablierten Finanzprodukten, wie beispielsweise Nachrangdarlehen oder Beteiligungsrechten, lassen sich je nach Einzelfall weitere Rechte in den Token aufnehmen, die dem Besitzer Zugriff auf Produkte gewähren. Weniger abstrakt wird diese Vorstellung, wenn wir sie an einem Beispiel verdeutlichen: Ein Unternehmen möchte sein Portfolio um eine neue Produktsparte erweitern und benötigt hierfür Kapital. Nehmen wir an das Unternehmen vertreibt bisher eine Fitness-App und möchte nun auch eine Ernährungs-App anbieten. Für die App-Entwicklung und den Launch benötigt es nun erst einmal Kapital und möchte dieses über ein Darlehen aufnehmen, dass es später mit Zinsen zurückzahlt. Im Interesse des Unternehmens ist es natürlich, möglichst geringe Zinsen zu zahlen. Gleichzeitig ist es für seine dann neue Ernährungs-App gut, gleich zu Beginn möglichst viele Nutzer zu erreichen. Das Unternehmen hat nun die Möglichkeit einen Securitized Token zu gestalten, der genau diese Bedürfnisse erfüllt und gleichzeitig auch Investoren zufrieden stellt. Der Token wird so gestaltet, dass er ein regulationskonformes Nachrangdarlehen repräsentiert. Der Tokenkäufer erhält den investierten Betrag also nach einer bestimmten Zeit, z.B. innerhalb von zwei Jahren inkl. Zinsen zurück. Gleichzeitig erhält der Tokenbesitzer aber auch Nutzungsrechte für die App. Durch den Token kann er also die App kostenfrei nutzen, und hat auch Zugriff auf besondere Funktionen wie Rezepte. Weil er diese Zugriffsrechte hat, erhält er weniger Zinsen, als das am Markt bei anderen Nachrangdarlehen vielleicht üblich wäre. Er ist trotzdem zufrieden, denn er hat sich bewusst für dieses Investment entschieden, weil er an die App glaubt und sie auch selber spannend und nützlich findet. Beide Parteien haben Vorteile, das Unternehmen erhält Kapital zu niedrigen Zinsen, und kann sich eine Community von App-Nutzern aufbauen. Investoren erhalten Zinsen und können gleichzeitig ein Produkt nutzen, von dem sie überzeugt sind. Es lässt sich leicht erkennen, dass Securitized Token so vollständig neue Formen der Unternehmensfinanzierung ermöglichen.

Utility Token, Tokenized Securities und Securitized Token – UnitedCrowd ist Partner für digitale Unternehmensfinanzierungen. Wir beraten Sie gerne dazu, welches Konzept den Anforderungen Ihres Unternehmens optimal entspricht.

READ:  8 Gründe für eine Tokenisierung
X